18. Februar 2009
Arbeitslosigkeit ist nicht nur eine Statistik
Manche können es sich vielleicht nicht vorstellen oder weisen diese Vorstellung aus Angst von sich. Aber jeden kann Arbeitslosigkeit treffen. JEDEN!
Die Angst des Arbeitsplatzverlustes ist nicht nur eine Statistik, sondern das reale Leben. Leider geistert durch die Foren, Stammtische und auch anderen Diskussionen zumeist das Argument mit "Die wollen doch nicht arbeiten" oder "sind doch alles Schmarotzer".
Ich frage mich, was die Menschen dazu verleitet, sich so über Einzelschicksale zu erheben? Ein Minimum der Empfänger von Sozialleistungen sind so genannte "Schmarotzer". Wobei ich diesen Begriff nicht wirklich verstehe, da jeder, der ohne abhängig Beschäftigung ist, am absoluten Existenzminimum klebt. Und wieso? Weil die wahren Sozialschmarotzer, nämlich diejenigen, welche auf Kosten der Mitarbeiter ihre Profite steigern, keine Gelegenheit ungenutzt lassen, unser soziales System in die Schieflage zu bringen.
Banken bitten um (Steuer-)Milliarden, obwohl sie noch schwarze Zahlen schreiben, nur um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Investition, welche eher in Bildung, Infrastruktur und Stärkung des Binnenmarktes gesetzt werden sollte.
Jede einzelne Steuerreform dient den Unternehmen mehr als dem "kleinen Mann" in unserer Gesellschaft. Steuervorteile und auch -oasen werden genutzt, damit ja der Anteilseigner bedient und zufrieden gestellt werden kann.
Hinter jeder einzelnen Zahl in der Arbeitslosenstatistik (und denen, die nicht öffentlich genannt werden) verbirgt sich ein Schicksal. Die abstrakten Zahlen, welche durch die Tagesschau und anderen Medien schleichen, schrecken niemanden mehr. Aber lest Euch mal folgenden Text durch. Dann versteht ihr vielleicht ein wenig mehr, dass nicht die Arbeitslosen Schuld für ihr Dilemma sind, sondern raffgierige und inkompetente Manager, welche kurzfristig Projekte ins Leben rufen und wenn sie scheitern sollten…..na dann werden sie mit einer ordentlichen Abfindung weggelobt.
Aber was passiert mit den Arbeitnehmern, welche für das Missmanagement nun überhaupt nichts können? Sie haben keine Lobby, sind "Sozialschmarotzer", wollen nicht arbeiten und liegen dem System auf der Tasche. Das wird über die Opfer des Missmanagements gesagt aber die Täter sind ja nur "die da oben" gegen die wir nichts ausrichten können.
Das stimmt so nicht. Im folgenden Text lest ihr das Schicksal eines Menschen, dem Versprechungen gemacht wurden, ein sicherer Arbeitsplatz angeboten wurde und der sich mit Engagement und Hoffnung im Betrieb eingearbeitet hat. Dieser Mensch wendet sich nun an die Öffentlichkeit und will nicht schweigen zu dem, wie man mit ihm verfahren ist.
Nur so bekommen wir ins Bewusstsein, dass Existenzangst und Arbeitslosigkeit nicht nur eine Statistik ist:
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich mir mal ein wenig den Ärger von der Brust reden.
Ich habe mich im Frühjahr letzten Jahres von einer Arbeitnehmerüberlassung zu TKS Duisburg-Süd vermitteln lassen. Die Stelle war mit einer Übernahmeoption, da der Kollege, der diese zuvor ausführte, kürzlich verstorben ist. Mit dem Gedanken in ein solides Unternehmen mit stets schwarzen Zahlen und einer guten Zukunft zu wechseln, kündigte ich mein festes Arbeitsverhältnis und trat nach wenigen Tagen meine Arbeit an.
Meine Übernahme war zum 30.10.2008 geplant. Ich war täglich hochmotiviert und immer mit vollem Einsatz bei der Sache. Nie krank, ohne Fehlzeiten und immer bereit etwas mehr zu machen wie die andern Kollegen. Meine Vorgesetzten, Schichtkoordinator und Werkstattleitung konnten, waren, sind und wären auch in Zukunft mit mir zufrieden gewesen.
Um noch mal darauf zurück zu kommen, ich besetzte eine so genannte "Planstelle", für einen Kollegen der tot ist. Nun kommt´s! Der herbei gesehnte Termin war fast erreicht als diese Finanzkrise ins Rollen kam. Vorstandssitzungen später! Mein Vertrag wurde auftragsbezogen mit Thyssen bis Ende April 2009 verlängert! So weit, so gut! Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich erst zuletzt.
Die Wochen vergehen und die Hoffnung schwindet und schwindet. Nun hatte ich gestern am 16.02. meine letzte Mittagschicht und wäre dann mit Freischichten und Urlaub erst am 03.03. wieder zur Frühschicht gekommen. Nun habe ich gestern zu Schichtbeginn erfahren, dass bereits Freitag ein "Vorstandsbeschluss" in die Personalabteilung gegangen ist, der besagte das alle so genannten Zeitarbeiter bis zum 28.02. fristgemäß nicht mehr bei Thyssen beschäftigt werden. Da hat das Wort Planstelle für mich eine völlig neue Bedeutung bekommen!
Mit mir wird nicht mehr geplant.
Dies angewiesen von einem Herrn G., der vor nicht all zu langer Zeit bei TKS-Hüttenheim eingesetzt wurde, um Teamarbeit zu installieren oder zu verbessern. Teamarbeit die längst besteht. Die Kollegen sind flexibel einsetzbar und immer hilfsbereit. Ein Herr G. , dessen Büro um einiges größer ist, als unser Pausenraum der Platz für die ganze Schicht bieten soll, der die Abteilungen nur von Rundgängen in Sachen SOS (Sicherheit-Ordnung-Sauberkeit) her kennt. Der sich nicht mit den Schicksalen, der Menschen mit denen er so radikal umgeht, beschäftigt.
Vielleicht fällt es irgendwann auf, das diese Teamarbeit nicht verbesserungswürdig ist. Und ein Herr G. muss seinen Hut nehmen. Nur schade das solche Menschen nie da unten landen, wo ich jetzt bin. Herr G. mein Schicksal ist es, nun auf Jobsuche zu gehen, um meine Familie durch zu kriegen!
Aber eins kann ich sagen! Und davon bin nicht nur ich überzeugt! Ich habe meinen Job gemacht. Zudem ist anzumerken das die Misere da oben zweifellos die Herren in den oberen Etagen zu verantworten haben. Wer hat sich mit Brasilien verkalkuliert? Wir? Wir haben Euch hier schwarze Zahlen geschrieben, die Ihr in Brasilien rot eingefärbt habt!
Alle echten Kollegen bleibt stark und lasst Euch nicht alles kaputt machen.
Mir ist der Verfasser des Schreibens persönlich bekannt, daher berührt mich diese Situation schon sehr. Aber endlich ist jemand mutig und spricht aus, was viele nicht zu sagen wagen. Und wieso? Weil sie denken, es könnte sie ihren Job kosten. Die Wahrheit ist jedoch, dass es sie ihren Job kosten wird, wenn sie weiter schweigen.
Wir brauchen mehr mutige Menschen die reden, schreiben und den Statistiken Leben geben!!!
Um so eklatanter ist folgender Bericht aus dem "Handelsblatt"
"Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp gehört zu den Unternehmen, die ihre Dividende trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs aufrecht halten. Der Konzern zahlt wie schon im vergangenen Jahr 1,30 je Aktie und setzt damit ein Ausrufezeichen. Angesichts eines Kursverlustes von 65 Prozent seit Mitte vergangenen Jahres ist das aber auch dringend nötig, um die verbliebenen Anleger bei Laune zu halten. Für 2010 erwarten Analysten ebenfalls 1,30 Euro."
Wer hält denn die Arbeitnehmer bei Laune? Wer motiviert sie, an das Unternehmen zu glauben und sich weiterhin zu engagieren, wenn solche Meldungen zu lesen sind?
Ferner ist im Manager-Magazin zu lesen:
"Unter dem Druck der Bundesregierung haben sich die Dax-Firmen verpflichtet, ihren Mitarbeitern in der Krise nicht zu kündigen. Die Stellenstreichungen bei ThyssenKrupp zeigen, dass solche Versprechen letztlich Vertrauen zerstören. Die neue Kungelei zwischen Politik und Konzernen weckt Erinnerungen an die alte Deutschland AG."
Wenn das Vertrauen bei den Mitarbeitern verloren geht, wie will man sie motivieren, wenn sich die Auftragslage wieder stabilisiert oder verbessert? Sollte die Finanzkrise überstanden sein, und ich gehe davon aus, dass dies noch einige Zeit dauern wird, wird es sehr schwer sein, das Vertrauen der Mitarbeiter wieder zu gewinnen. Es ist schlicht weg davon auszugehen, mehr Druck denn Motivation auf die Mitarbeiter weiter auszuüben, um die Profite weiter maximieren zu können.
Nur noch ein Letztes: Im Jahr 2008 erhielt Ekkehard D. Schulz, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp, ein Gehalt von 3,862 Mio. Euro. Bekam er das Geld, weil er so viel Verantwortung trägt? Wie erklärt er das dem o. g. Vater und Ehemann, der Verantwortung für seine Familie übrnehmen muss?
Sandra Stoffers, Initiative-Links
via Sandras Blog
Bisherige Kommentare (2)
2thomas knoll
schrieb am Freitag, den 25.06.10 um 11:00 Uhr
ich würde niemals eine linke regierung wählen! wie könnt ihr nur in afganisthan/bananistan sterben täglich soldaten und frauen und kinder und bananen! Dagegen tut ihr nix oder? Scheiß linke!


schrieb am Freitag, den 25.06.10 um 10:58 Uhr
deppen