06. Oktober 2007
Die Geschichte des Bedingungslosen Grundeinkommens
Wer denkt, dass das Bedingungslose Grundeinkommen (im Folgenden BGE genannt) eine neue Idee ist, der irrt sich.
Auch ich war bei meinen Recherchen erstaunt, dass bereits Thomas More im 15. Jh dieses Thema aufgriff. Thomas More (1478-1535) war ein englischer Staatsmann und humanistischer Autor. Er schrieb den Roman Utopia, der eine ideale Gesellschaft darstellen soll.

Gold (Geld) ist bei den Utopiern nicht vorgesehen, dafür aber sollen Überproduktionen angehäuft werden, um Handel zu betreiben. Die Utopier selbst schätzen Gold nicht. Thomas More schlug in diesem Buch vor, allen Menschen eine Art Lebensunterhalt zu zahlen, um Diebstahl vorzubeugen.
Der Zeitgenosse Juan Luis Vives (1492-1540), ein spanischer Humanist, Philosoph und Staatsreformer, entwickelte Thomas Mores Gedanken weiter. Für ihn war die Idee vom garantierten Minimaleinkommen jedoch gekoppelt mit Arbeitswillen.
Montesquieu (1689-1755), franz. Schriftsteller und Staatstheoretiker, wurde von Vives beeinflusst. Er vertrat die Meinung, dass der Staat all seinen Einwohnern einen sicheren Lebensunterhalt, Nahrung, geeignete Kleidung und einen Lebensstil, der seine Gesundheit nicht beeinträchtigt, schuldet.
Gegen Ende des 18. Jh befasste sich der Mathematiker und politische Aktivist Marie Jean Antoine Nicolas Caritat (1743-1794) mit der Bekämpfung von Armut. In seiner letzten Arbeit "Esquisse d’un tableau historique des progrès de l’esprit humain" beschrieb er, wie eine Sozialversicherung Ungleichheit und Armut reduzieren könnte. Diese Idee wurde von Thomas Paine (1737-1809) aufgegriffen und verfeinert. In einem Bericht beschrieb er folgendes:
"Jeder Besitzer von kultiviertem Land schuldet der Gemeinschaft eine Bodenmiete für das Land, das er besitzt, und diese Bodenmiete fließt in einen Fond, die bei diesem Umsetzungsplan vorgeschlagen wird. Aus diesem Fonds soll an jede Person, die 21 Jahre alt wird, eine Summe von 15 Pfund Sterling bezahlt werden, als Teil einer Entschädigung, für den Verlust seiner oder ihrer natürlichen Erbschaft durch die Einführung eines Grundbesitzsystems. Außerdem eine Summe von 10 Pfund Sterling pro Jahr, an alle Personen, die heute 50 Jahre oder älter sind und an alle anderen, wenn sie dieses Alter erreichen - bis zum Tod."
Hier wird zum ersten mal erkannt, dass die natürliche Grundversorgung in eine Abhängigkeit gerät und somit den Menschen die Lebensgrundlage zur Selbstversorgung entzogen wird.
Im 19. Jh waren sich zahlreiche Reformer einig, dass die Basis ein garantiertes Einkommen als öffentliche Fürsorge ist. Einer der bekanntesten Vertreter war Charles Fourier (1772-1837), Franz. Gesellschaftstheoretiker, Vertreter des Frühsozialismus und einer der schärfsten Kritiker des frühen Kapitalismus. In seinem letzten Werk, das zu Lebzeiten erschien, La Fausse Industrie (die falsche Industrie), begründete Furier Folgendes:
"Der Verstoß jeder Person gegen ein fundamentales Naturrecht - wie jagen, fischen, Früchte sammeln oder ihr Vieh auf dem Gemeinschaftsbesitz - deutet darauf hin, dass die "Zivilisation" jedem einen Lebensunterhalt schuldet, der keine Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse zu decken."
Der Anhänger Fourirs Schule Victor Considérant (1808-1893), Franz. Philosoph, betont:
"Wenn Arbeit ein attraktives Danke an das Phalanstère-System bedeute, dann wird es fähig sein, ein Minimaleinkommen an den Armenteil der Gesellschaft abzugeben, mit der Gewissheit, dass sie mehr verdienen, als die Aufwendungen am Ende eines Jahres"
Ferner wurde auch Joseph Charlier (1816-1896), Schriftsteller und Kaufmann, von Fourier beeinflusst. In seinem Werk „Solution du problème social ou constitution humanitaire“ entwickelte er eine erste Formulierung, welche man als garantiertes Grundeinkommen betrachten kann. Er schlug vor, jedem Einwohner eine bedingungslose Rente zu ermöglichen. Diese Rente nennt er Staatsdividende. Charlier ist der Ansicht, dass somit die Dominanz des Kapitals über die Arbeiterklasse beendet würde.
Auf die Frage, ob dies nicht zur Faulheit führen würde antwortete er: "Großes Glück für die Faulen: Sie werden mit einem Taschengeld abgespeis. Die Pflicht der Gesellschaft reicht nicht über die Zusicherung eines gerechten Anteils des Genusses, was die Natur zur Verfügung stellt - ohne jemandem das Recht zu nehmen."
Charlier meint damit, dass Wohlstand zum Minimum hinzuverdient werden muss. Die Staatsdividende deckt nur die Grundbedürfnisse ab.
Charliers Zeitgenosse John Stuart Mill (1806-1873), engl. Philosoph, Ökonom und liberaler Denker, vertiefte den Gedanken über ein ungeprüftes Grundeinkommen. In seinem Werk "Prinzipien der politischen Ökonomie" beschreibt er, dass dieses System nicht die Aufhebung von Privateigentum betrachtet. Es ist ein System der Verteilung von Waren, Kapital und Arbeit. In dieser Verteilung ist ein Minimum für den Lebensunterhalt jedes Mitgliedes einer Gemeinschaft bestimmt, ob arbeitsfähig oder nicht.
im 20. Jh griff Clifford Hugh Douglas (1879-1952) die Theorie des Social Credits auf. 1932 plädierte Bertrand Russel (1872 - 1970) in seinem Buch "Lob des Müßiggangs" für ein Grundeinkommen. Er war Mathematiker und Philosoph.
Milton Friedman (1912-2006), Nobelpreisträger, wird neben John Meynard Keynes als einflussreichster Ökonom des 20. Jh gesehen. Er schlug das System der negativen Einkommenssteuer vor und sprach sich für das Grundeinkommen aus.
Gegenwärtig sind beispielsweise Katja Kipping (Die Linke) oder auch dm-Chef Götz Werner Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens. Auch beim Bündnis´90/Die Grünen ist eine entsprechende Bewegung zu sehen.
Wir sehen also, dass das Thema Grundeinkommen kein Phänomen der Neuzeit ist und die Inhalte sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt haben. Ich möchte gerne das Thema auf meinem Blog vertiefen. In Kürze werde ich eine Einführung über das BGE hier in meinem Blog veröffentlichen. Hier werden Grundgedanken und Ziele näher erläutert werden.
Das Bedingungslose Grundeinkommen ist keine Revolution sondern eine Notbremse für eine gerechte und freie Gesellschaft!
Sandra Stoffers, DIE LINKE
via Sandras
Blog
Einführung in das "Bedingungslose Grundeinkommen" (BGE), Teil I
Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) und Arbeit, Teil II
Bedingungsloses Grundeinkommen und Finanzierungsmöglichkeiten, Teil III

