04. Juni 2007

Gelsenkirchen und die Kultur!

Wer denkt, Gelsenkirchen hat nichts zu bieten, der irrt! Am Samstag den 2. Juni 2007, fand im Rahmen der "ExtraSchicht" ein Fest auf dem Zechengelände Consolidation in Bismarck statt.

Es war wirklich für jeden etwas dabei und die Stimmung ausgesprochen gut. Wegen des EM-Qualifikationsspiels gegen San Marino (6:0), sind wir erst gegen 21 Uhr dazugestoßen. Zum ersten mal besuchte ich das alte Zechengelände und war überrascht, wie schön es geworden ist. Hinter den alten Gebäuden erstreckt sich eine schön grüne Landschaft, die man durchaus auch mal nach getaner Arbeit zum Chillen nutzen kann.

Um den Gelsenkirchener Bands Möglichkeiten zum Proben zu geben, ohne Ärger mit Nachbarn zu bekommen, wurde auf dem Consolgelände ein Proberaumzentrum errichtet. Hier proben Bands wie beispielsweise:

[Straight] HEAD-CASE
Torpedo Monkeys
Akt 04
UTOPIA
15 WATT

[Straight] HEAD-CASE gehört übrigens auch zu einer der Bands, die auf unserem Sampler "Rock gegen Rassismus" zu finden ist.

Von dem guten Sound angelockt, begaben wir uns direkt in das Proberaumzentrum. Hier zeigten die Bands, was sie drauf haben. Und ich kann nur sagen: Hut ab! In Gelsenkirchen schlummern Talente...!

Leider bekamen wir nur noch die letzten Takte der gerade aktiven Band mit, so dass wir die Umbauphase für eine Besichtigung des Geländes nutzten.

So landeten wir dann bei dem Initiativkreis Bergwerk Consolidation e. V. Überrascht, eine kleine Ausstellung über Bergbau vorzufinden, schauten wir uns interessiert die Auslagen an. Ich fühlte mich wieder an meine Kindheit erinnert, in der mein Oppa zumm Gebuatstach die Grubenlampe anne Wand hing, um zu der Mischpoke zu vergegenwärtigen, datte auch inne Rente imma en Berchmann bleibs.

Unserem Interesse folgend sprach uns ein Ehrenamtlicher Bergmann an, der sich dem Initiativkreis angeschlossen hat. Er erzählte uns, dass er in einer Grundschule ein Stück Kohle gezeigt hat. Nur zwei Kinder wussten, was das war. Dies veranlasste den Bergmann, weitere Aktionen folgen zu lassen, um den Bergbau auch weiterhin in den Köpfen der nächsten Generationen festhalten zu können.

Beispielsweise werden Führungen durch dieses Gebäude mit Schulklassen organisiert. In der Vergangenheit wurde ein Malwettbewerb für Kinder ausgeschrieben. Die Kinder sollten ihre Eindrücke in einem Bild festhalten. Die besten 12 Bilder wurden dann zu einem Kalender verarbeitet. Eine wirklich sehr schöne Idee!

Auf meine Frage, wie der Initiativkreis finanziert wird, bekam ich die Antwort, dass es Fördermitglieder gäbe, es aber noch zu wenige sein, die Kosten zu decken. Auch wäre noch nicht ganz klar, ob sie die Räumlichkeiten dauerhaft nutzen können. Es müssen noch Verträge mit der Stadt verhandelt werden. Wie hoch dann die Kosten sind, muss man abwarten. Die Stadt Gelsenkirchen steht diesem Projekt jedoch positiv gegenüber. Ich hoffe, dass alle Modalitäten so gehalten sind, dass dieser Initiativkreis seine Arbeit langfristig fortführen kann. Ich halte es für enorm wichtig, dass folgende Generationen noch aus erster Hand erfahren, was der Bergbau ist und besonders WIE er ist. So ist es doch gerade diese Kumpel-Mentalität, die unsere Menschen in der Region ausmacht, worauf ich übrigens sehr stolz bin!

Zusammengehörigkeit, Selbstironie, Freundschaft, das sind alles Dinge, die im Ruhrgebiet noch Bestand haben. Das haben wir auch wenige Schritte weiter, als wir uns von unserem Gesprächspartner verabschiedeten, gemerkt.

Spontan wurden wir von einem Bergmann in Tracht gefragt, ob wir einen Schnappes haben wollten. Irgendwie passend zu meiner Stimmung habe ich natürlich nicht abgelehnt. Feierlich in kleinen Zinnbechern wurde uns ein "Fürst Bismarck" (schüttel) angeboten. Glücks auff, Schluck und weg. Hm, war gar nicht so schlecht. Auch hier wurde wieder ein wenig Smalltalk betrieben und viel weiter kamen wir aber auch dann nicht.

Zwei Meter weiter wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die riesige Dampffördermaschine, die das Zentrum der Räumlichkeit ausmacht, in wenigen Minuten aktiviert wird. Aber bevor es los ging erzählte uns der "Steuermann" aber noch, sein Großvater wäre so klein gewesen, dass er zum Erdbeerpflücken eine Leiter benötigte.

Nun bekamen wir noch ein paar Daten über diese Dampfmaschine erzählt. So erfuhren wir, dass sie 285 t schwer und somit die Größte in ganz Europa ist. Und dann wurde dieses Mörderteil in Bewegung gesetzt.

Ich erinnerte meine Begleiter daran, dass wir in der Zwischenzeit mindestens eine Band verpasst haben. So gingen wir wieder zurück zum Proberaumzentrum.

Es herrschte eine super Atmosphäre. Jeder kannte Jeden. Und wenn man Jemanden nicht kannte, so kannte man aber Jemanden, der diesen Jemand kannte und dann kannte man auch den. Verstanden? Nicht? Egal! Fazit: Am Ende des Abends kannten wir uns alle!

Als ich mich am Bierstand anstellte, winkte mir Jemand (den ich bis dahin noch nicht kannte) mit einer Freibiermarke zu und schenkte sie mir. Einfach so! Dafür habe ich ihn auch vorgelassen. So ging es den ganzen Abend. Alles tolle Menschen! Echt Ruhrpott!

Wir pogten zu [Straight] HEAD-CASE, wippten mit dem Schuh bei ENZEFALIT oder hadbangten bei FLAKE. Den krönenden Abschluss brachte aber Utopia. Der Bassist, den wir auch schon bei [Straight] HEAD-CASE bewundern konnten, hat eine Performance hingelegt, die man nicht beschreiben kann. So hat er in einem Stoner-Grunge-Rock-Stil wirklich die tiefsten Emotionen der Zuhörer erreicht. Ich dachte mir nur, wenn ich jetzt sterben würde, wäre ich Glücklich dabei. Einfach Super!

Die öffentliche Veranstaltung endete gegen 2 Uhr morgens, was eigentlich ziemlich selten ist. Aber die Nachbarn bekamen ja nichts mit und so konnte ausgiebig gefeiert werden.

Wir hingen dann noch bis etwa 4 Uhr auf dem Vorplatz rum. Irgendwie wusste niemand mehr, wessen Pulle Bier er in der Hand hatte. Aber auch Biersharing war an der Tagesordnung. Immerhin hatten wir uns ja alle lieb!

Nachdem ich dann unseren Wegbegleiter geweckt habe, was nicht ganz einfach war, gingen wir dann nach Hause.

Es war ein ganz hervorragender Abend und schreit nach Wiederholung!

Sandra Stoffers, Die Linke.PDS

Hier noch ein paar Links, die im Zusammenhang mit diesem Abend stehen:

http://www.consol4.de/
http://www.gelsenkirchen.de/Leben_in_GE/Kunst_und_Kultur/default.asp
http://www.ib-consolidation.de/

Bisherige Kommentare (2)

Kommentar Nummer 1 1Thorsten
schrieb am Montag, den 04.06.07 um 21:07 Uhr

Dazu möchte ich gleich mal anmerken, dass ich nicht zu den Wegbegleitern gehörte, die erstmal "aufgeweckt" werden mussten. :) Aber ansonsten schließe ich mich dem Bericht an, war ein wirklich toller Abend.

Kommentar Nummer 2 2Diana
schrieb am Montag, den 04.06.07 um 22:59 Uhr

Leider habe ich nicht den krönenden Abschluss dieses Events miterleben können (von der Arbeit geschafft musste ich mich schon gegen halb zwölf verabschieden), aber es war ein tolles Erlebnis. Nicht zuletzt die Reise in eine Bergmannsvergangenheit, die man - wenn man Glück und noch Großväter hat - ansonsten nur noch von ihnen aus erster Hand erfahren kann. Erste Sahne und in Verbindung mit klasse Musik aus der lokalen Musikbranche kann ich als Fazit nur sagen: Nächstes Jahr bitte auf jeden Fall wieder!!!

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