20. August 2008
Schalker Fan-Initiative wird 15 Jahre alt
Als ich aus meinem Toskanaurlaub nach Hause kam, fand ich in meinen Mails eine Einladung der Schalker Fan-Initiative zur Geburtstagsfeier des 15-jährigen Bestehen.

Im Juni haben wir vom Bündnis gegen Rechts eine gelungene Veranstaltung zusammen gemeistert, daher freut es mich sehr, auch auf diesem Weg unsere Kooperation fortsetzen zu dürfen.
Am 16. August startete die Feier um 11 Uhr in der Flora und ich freute mich auch sehr, Frau Apfeld (Referat Kultur) wieder zu treffen. Susanne Franke, erste Vorsitzende der Schalker Fanini, kannte ich hauptsächlich aus unserem E-Mail-hin-und-her. Aber es war so, als würde ich sie schon ewig kennen, als wir uns gegenüberstanden. Sven Schneider, 2. Vorsitzender der Fanini, reichte auch gleich ein paar Sektgläser herum und meinte: "Da ist Veltins drin." Ich hielt dies für einen Scherz und glaubte ihm natürlich nicht. Hätte ich es mal getan, denn er hatte recht.
Sehr nobel wurde dann also um 11 Uhr morgens Veltins aus Sektgläsern geschlürft, was so einige Herren dann doch ablehnten. Ich bin ja vor nix fies!
Die Schalker Ultras überreichten der Fan-Ini ein Bild, was den Ort des Schaffens der Ini zeigte. Ein wirklich gelungenes Gemälde!


Mit ein wenig Verzögerung ging dann auch das offizielle Programm los. Bernd Matzkowski begeisterte die Gäste mit einer gekonnten Geschichte, in der Namen von Fußballspielern und anderen Größen dieses Sportes zweckentfremdet wurden. Welche Wortspiele da entstanden, das war schon wirklich sehr erheiternd!

Susanne Franke sprach dann ein paar Begrüßungsworte und übergab dann das Mikrofon Herrn Gerd Rehberg.

Gerhard Rehberg spaßte ein wenig über das noch nicht Erscheinen von Josef Schnusenberg, der während seiner Rede dann doch noch eintraf.
Was mir jedoch enorm aufstößt ist der Beitrag von Herrn Rehberg zu dem Schalke 04-Sponsor Gazprom. Völlig banalisierend und scheinbar (gewollt?) unreflektiert spielte er die Fakten zu Gazprom herunter und fand sich an der Basis von Vorurteilen wieder. Rehberg erwähnte zwar, wie sehr er den kürzlich verstorbenen Michael Klaus mochte und schätzte, seine Kritik an Gazprom jedoch für Vorurteile hielt. Er konstatierte, dass dieser Konzern eine Menge Arbeitsplätze geschaffen hätte und ließ den Eindruck aufkommen, dass Gazprom mit seiner Finanzierung "nur Gutes tut" und alles nicht so schlimm sei.
Ein Pfarrer, so erzählte er, hätte nach mehreren Jahrzehnten Schalke-Fanschaft, diese nun wegen Gazprom aufgekündigt. Rehbergs Argumentation dagegen war, dass er, wenn er Gas von E.ON beziehen würde, auch Gazprom-Gas beziehen würde. Somit sollte er doch gänzlich konsequent sein und den Anbieter wechseln.
Nun möchte ich Herrn Rehberg ganz enorm widersprechen. Die Erdgasimporte aus Russland betrugen im Jahr 2004 etwa 40%. Wie ist es einem ganz normalen und unbescholtenen Bürger möglich, dieses Gasimportgeflecht zu durchschauen und gazpromfreies Gas zu beziehen? Dagegen ist es dem erwähnten Pfarrer doch sehr eindeutig möglich zu erkennen, dass in Schalke Gazprom steckt. Dieser Vergleich hinkt!
Ferner halte ich es nicht für ein Vorurteil, wenn, wie Report München in der Sendung vom 22.1.2007 berichtet, eindeutige Beweise vorliegen, dass die Cosa Nostra an den Gewinnen bei der Durchleitung von Gas beteiligt werden wollen.
Es konnten Verträge sichergestellt werden, die belegen, dass ein Mitglied der Mafia Gas aus Russland über Slowenien nach Italien umleiten lassen wolle. Also keine Vorurteile, sondern Fakten!
Jürgen Roth, Mafia-Experte und Experte für Wirtschaftskriminalität, äußerte sich bei Report wie folgt:
"Gazprom steht für alle Formen undurchsichtiger Geschäftsbeziehungen, Gazprom steht für Erpressung, Gazprom steht für die Zerstörung der Presse- und Meinungsfreiheit in Russland, Gazprom steht dafür, dass Staat und die Republiken, die nicht genehm sind, erpresst werden können, es ist also eine politische Waffe. Gazprom hat so viel Geld zur Verfügung, dass Ex-Politiker und Politiker gekauft werden können, auch hier im Westen. Gazprom steht zu Beziehungen zu kriminellen Strukturen, nicht nur in Russland sondern auch hier in Europa selbst."
Hier ein weiteres Interview mit Jürgen Roth im Spiegel über Gazprom.
Ich fand die Ansage von Herrn Rehberg bei dieser Veranstaltung gänzlich unangebracht. Dennoch muss das Thema in Bezug auf Schalke und überhaupt diskutiert werden. Ich sah die Schalker Fan-Initiative in dieser Situation überrumpelt und das war nicht fair!
Die Situation relativierte sich, als Herr Schnusenberg der Schalker Fan-Initiative seine Glückwünsche überbrachte.
Erheiternd wurde es erst wieder, als Pädda Neururer eine Anekdote über ein Geburtstagsgeschenk, ein falsches Trikot im richtigen Stadion (oder war es jetzt umgekehrt?) lieferte. Mit seinem typischen Ruhrpottcharm und authentischen Art lockerte er die Atmosphäre im Saal wieder auf.

In der Zwischenzeit trudelte auch Manfred Breuckmann ein, der sich ebenso kurzzeitig ans Pult stellte und der Schalker Fan-Initiative einen Glückwunsch aussprach, verbunden mit dem tiefen Respekt für ihre antifaschistische Arbeit!

Susanne und Sven präsentierten mit einer kleinen Diashow ihre Meilensteine der erfolgreichen Arbeit der letzten 15 Jahre. Darunter war auch die jüngste Preisverleihung. Die Berliner Band "Culcha Candela" verlieh der Schalker Fan-Initiative für das Jugend-Theaterprojekt "RepuBlick" auf Schalke eine goldene CD

Ebenso ist die Initiative auch in der Arena in Form eines Banners präsent:

Und nun warteten alle auf unseren Oberbürgermeister Herrn Baranowski. Er schaffte es jedoch wegen seines vollen Terminkalenders nicht rechtzeitig. Somit überbrückte Bernd Matzkowski die Zeit mit einer weiteren erheiternde Geschichte. Hierbei handelte es sich um eine Passage des Musicals "Nullvier", welche nicht ganz so 1:1 in das Stück eingearbeitet wurde. Der Schwerpunkt wurde hier auf eine Ambivalenz zwischen der Weltmacht der Herren der Schöpfung und das Wasserlassen ihrerseits als Schalker Fans nach dem Spiel gesetzt.
Der offizielle Teil wurde somit beendet. Später kam noch der WDR und interviewte Susanne. Auch Herr Baranowski schaffte es noch kurzzeitig, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
In der Zwischenzeit unterhielt ich mich sehr nett mit Frau Apfeld und bemängelte, dass mir zu wenig Plattformen für Gelsenkirchener Bands geschaffen werden. Ein Herr, den ich bis dahin nicht kannte, integrierte sich in das Gespräch. Ich dachte mir: "Was nimmt er sich denn jetzt meine Kritik so zu Herzen?" Diese Frage sollte beantwortet werden, als wir beide schnell noch zum Lokal der Schalker Fan-Initiative gehen und noch ein Bierchen einnehmen wollten. Mir dämmerte es langsam, dass ich das Gesicht kürzlich in der Presse gesehen hatte und fragte ganz direkt, mit wem ich denn das Vergnügen hätte?
Da stellte sich mir, schnell ins Du übergehend, Herr Manfred Beck, seines Zeichens Kulturdezernent der Stadt Gelsenkirchen vor. Ich konterte nur, dass mir doch erst am Vortag ein Pressebericht aufgefallen wäre, den ich mit seiner Person nicht so positiv in Verbindung gebracht habe.
Hier ging es um die Kostenübernahme der Schulbücher von Hartz-IV-Empfängern. Ich habe bereits schon mit der Initaitive-Links und auch mit der Linken dieses Thema oftmals angesprochen. Umgesetzt wurde leider in beiden Bereichen nichts. Um so mehr freut es mich, dass es nun diesen Bildungsfond gibt und der Erwerb von Schulbüchern für sozial Schwache für zwei Jahre gewährleistet ist.
Mich persönlich interessiert nicht, WER das Ziel erreicht, wichtig ist DASS es erreicht wurde!
Dennoch fand ich die Haltung von Manfred Beck in diesem Pressebericht etwas überheblich und sagte es ihm auch. Vorausgegangen ist eine Pressekonferenz des ev. Industrie- und Sozialpfarramt, in der Vorwürfe erhoben werden, die Stadt hätte Hartz-IV-Empfänger nicht ausreichend informiert.
Froh zu sein, dieses Thema nun auch aus erster Hand diskutieren zu können, erklärte mir Manfred Beck, dass sein Dezernat alle Gelsenkirchener Schulen informiert hätte. Wenn diese Informationen nicht an die Entsprechenden Familien weitergetragen wurden, müssen die Schulen natürlich genannt werden. Nur so kann das Kommunikationsdefizit behoben werden
Für mich klingt es plausibel. In der Pressemitteilung steht jedoch, dass die betroffenen Hartz-IV-Empfänger aus Angst vor negativen Reaktionen nicht die Namen der Schule nennen wollen. Ich finde das sehr schade, da somit das Problem nicht behoben werden kann. Entscheidend ist, dass es eine Lücke in der Informationsvermittlung gab. Diese gilt es zu kitten. Es wäre wünschenswert, wenn das alle Beteiligten zusammen anstreben und nicht gleich eine Pressekonferenz abhalten würden.
Nachdem ich meine Ansicht in dieser Sache losgeworden bin, wurde weitergefeiert! Ich lernte wieder nette neue Schalker kennen, sah alte Bekannte wieder und zum krönenden Abschluss tauchte das Rote Sofa, bekannt aus meinem "Extraschicht-Bericht" von den Gelsenkirchener Geschichten wieder auf.
Nur wurde aus dem roten Sofa ein Blau-Weißes:

Von ein wenig leichten Promillen die Hemmschwelle eingedämmt, nötigte ich unseren Meikel, sich mit mir ablichten zu lassen. Widerstandslos, er wusste eh keine Chance zu haben, beugte er sich meinem Willen! An dieser Stelle noch einen herzlichen Gruß an die GG und das "Sofa-Team"
Und wir wollen doch auch für die Nachwelt festhalten, dass Schalke beim ersten Bundesligaspiel der Saison 2008/2009 gegen Hannover 3:0 gewonnen hat!!!!
Der Schalker-Faninitiative danke ich für diesen schönen Tag, der abends ein noch schöneres Ende auf dem Consolgelände bei EasyJam gefunden hat.
Sandra Stoffers, DIE LINKE
via Sandras
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