21. Januar 2006
"Lidl ist nicht zu billigen" lautete das Thema der Informationsveranstaltung bei der Initiative-Links am 19.01.2006
Sebastian Kolkau, Vorsitzender der Jusos in der SPD Gelsenkirchen und Mitglied bei attac, referierte über die Vorgehensweise der Arbeitgeber bei Billigdiscountern.
Durch die Globalisierung wird der Wettbewerb weltweit immer weiter angetrieben. Die Liberalisierung der Lebensmittelmärkte treibt das Herabsenken der Standards an.
Gerade auch in Gelsenkirchen sind durch die hohe Arbeitslosigkeit BürgerInnen von günstigen Produkten abhängig. Besonders Hartz IV-Empfänger haben nicht mehr die Wahl zwischen Discountern und SB-Lebensmittelläden zu entscheiden.
Nur wissen sie vielleicht nicht, dass Lidl nicht mehr "markentreu" ist und weltweit Ihre Waren zu Dumpingpreisen einkauft. Die Herkunft der Ware ist für den Käufer nicht mehr nachvollziehbar, damit gibt es auch keine Aussage über die Qualität. Wir als Kunde wissen nicht, wie hoch das Obst und Gemüse mit Pestiziden belastet ist. Die Greenpeace-Studie von 11/2005 zeigt dies ganz eindeutig (Siehe Anhang).
Vielen Discountern ist es demnach gleichgültig, ob der Kunde Qualität erhält oder nicht. Lautet der neue Leitsatz: Wer kein Geld besitzt, muss sich halt ungesund ernähren?
Lidl ist der Trendsetter im Sozial-Dumping, andere Discounter ziehen jedoch nach.
Durch das aggressive Expandieren von Lidl ist das Unternehmensnetz nahe zu verschleiert.
Auch Finanzämter haben ihre Schwierigkeiten, durch die fehlende Transparenz die Steuerabführung nachzuvollziehen.
Der Einkauf von großen Mengen lässt viele Rabatte zu, die das Preisniveau der Produkte gering halten.
Ferner werden Erzeuger dazu gezwungen, Ihre Produkte unter Herstellkosten zu verkaufen. Im März und April 2004 haben Bauern mit Milchausschüttungen vor Discountern protestiert. Zwar wurde daraufhin eine weitere Absenkung des Preises gebremst aber das alleine reicht nicht.
Rein statistisch fallen durch das sterben von kleineren Läden 3 Arbeitsplätze weg, dagegen entsteht nur einer bei Lidl. Der Prekäre Arbeitsmarkt wird durch den Wegfall von Arbeitsplätzen und der erhöhten Schaffung von Billigjobs noch gestärkt.
Dazu kommt, dass es keine Beratung und Service für den Kunden mehr gibt. Mitarbeiter werden zu Überstunden gezwungen und an der Frequenz der Kassierleistung gemessen. Um diese zu testen, werden Kontrollen in die Läden geschickt. Die Mitarbeiter stehen unter Beobachtung und werden sogar auf Diebstahl hin überprüft.
Nur in 8 der 2.600 Filialen in Deutschland existieren Betriebsräte. Mitarbeiter, die sich für die Gründung eines Betriebsrates stark machen oder Kritik üben werden so unter Druck gesetzt, dass sie durch Aufhebungsverträge oder andere Instrumente ihren Arbeitsplatz verlieren.
Zwar setzte Lidl im Jahr 2005 durch Werbung auf Image aber durch die erhaltenden Erkenntnisse gibt es mittlerweile eine Menge Kritiker. So haben attac und Ver.di die Kampagne "Lidl ist nicht zu billigen" ins Leben gerufen.
Wir sind der Meinung, dass Lidl und auch andere Discounter ihr Image nur verbessern können, wenn folgende Forderungen, welche die Initiative-Links unterstützt, umgesetzt werden:- Faire Preise für Bananen, Milch und Wasser (kein Preisdumping und Unterdrückung der Erzeuger)
- Soziale Rechte achten, hier und weltweit (Zulassen von Betriebsräten, faire Löhne und Arbeitszeiten)
- Demokratische Kontrollen zulassen (nachvollziehbare Geschäftsberichte, Transparenz in der Konzernstruktur)
- Karten auf den Tisch, Produktgeschichte offen legen (Herkunftsland, Belastung durch Pestizide)
Diese von Sebastian Kolkau vorgetragenen Informationen waren die Grundlage für eine lebendige Diskussion, die den Abend noch abrundete.
Das Zitat des Abend kam diesmal von Robert Zion, Mitglied des Vorstandes Bündnis 90/Die Grünen in Gelsenkirchen:
"Die Gründung eines Betriebsrates ist in Deutschland ein Grundrecht aber das ist nicht genug. Dies sollte zur Grundpflicht werden."
Anhänge:Sandra Stoffers, WASG Gelsenkirchen

