15. März 2009

Zusammenfassung vom Diskussionsabend: Wir werden Initiativ

Geht alles den Bach runter? Wo bleibt der Widerstand?

Entstanden aus dem Forum der Gelsenkirchener Geschichten ist die gesellschaftskritische Diskussion über die derzeitige Entwicklung der sozialen Schieflage und dem fehlenden Widerstand.

Gerade der 15-jährige Sebastian stellte diese konkreten Fragen und rüttelte die anderen User auf, sich diese auch selbst zu stellen. Wir stellten fest, dass oftmals keine Antworten gefunden werden wenn es darum geht, was wir im kleinen tun können. Aus diesem Grund organisierten wir einen Diskussionsabend zu dem Thema. Dieser fand am 10. März 2009 in Kooperation mit der Schalker Faninitiative e. V. statt.

Langsam wird es den Menschen klar, dass Wahlen, die alle 4 bzw. 5 Jahre stattfinden, nicht mehr die Mitbestimmung abdeckt, welche in der Geschwindigkeit des Raubtierkapitalismus' dringend notwendig ist.

1. Einleitung von Sebastian

Sebastian begann den Abend mit seinem Text, den er allen Teilnehmern vorstellte:

Ich frage mich,
wollen wir in einer Welt leben, in der der Offenherzige, der Gutmütige, der gerne und schnell vergibt, weil er genau weiß, dass auch er Fehler macht, verstoßen und ausgelacht wird?

Wollen wir in einer Welt leben, in der die Eltern alles versuchen, damit ihre Kinder glücklich sind, jedoch ohne das Gefühl zu haben dies zu schaffen? Und wollen wir, dass es den Kindern in 30 Jahren genauso geht wie ihren Eltern heute?

Wollen wir ein System, in dem es stets bergab geht und nur alle 4 Jahre, kurz vor der Wahl, ein kleiner Keim Hoffnung entflammt, gespendet von all den Reden der Politiker, die am Ende nicht das Geringste umsetzen?

Ich frage mich,
warum wir nicht in einer Welt leben wollen, in der alle offenherzig sind, und gutmütig, in einer Welt, in der jeder dem andern vergibt, weil er genau weiß, dass auch er selbst nicht fehlerfrei ist.

Warum wollen wir nicht in einer Welt leben, in der Eltern und Kinder gemeinsam glücklich sind?

Warum wollen wir nicht in einer Welt leben, dessen System nicht auf Geld oder Konsum und persönlichen erfolg beruht, sondern auf Menschlichkeit, auf Verständnis, Vertrauen, auf Mitleid, Barmherzigkeit, Vergebung und dem Willen, ein besseres Leben für alle zu schaffen.

Oh, ich weiß.
Wir wollen alle in einer besseren Welt leben.
Auch gerne in einer Welt, in der es allen besser geht.
Aber anfangen? Nee.
Wie denn auch?
Die Regierung tut doch nichts, und die anderen doch auch nicht!
Doch anstatt darüber nachzudenken, sollten wir doch eigentlich versuchen in unserem Rahmen, jeden Tag, in jeder Sekunde, mit jeder Tat, die Welt zu verbessern.
Anstatt nachtragend zu sein, sollten wir verzeihen, auf unsere eigenen Fehler schauen und daraus lernen, dass jeder einmal daneben liegen kann.

Anstatt das System zu beschimpfen und die Schuld bei den andern zu suchen, sollten wir den ersten Schritt machen und andere dazu anstiften, mitzugehen.

Ganz gleich ob man es Philosophie, Religion oder sonst wie nennen mag.
Wenn wir nicht den ersten Schritt machen, wird ihn auch kein anderer tun.

2. Feststellung der Problematik

Viel zu Umfangreich ist die globale Problematik. Sei es die Finanzkrise, der Verlust von Arbeitsplätzen, Armut aber auch der Missbrauch des Systems durch Steuerhinterzieher und inkompetente Manager. Wo sollen wir beginnen? Die Felder der Schieflagen sind zu breit gestreut und scheinen für "normale" Bürger nicht mehr im Bereich ihres Einflusses zu stehen.

Wir individualisieren uns immer mehr. Sei es, um irgendwie um das Überleben zu kämpfen. Sei es, weil man mit der täglichen Organisation seinen Unterhalt verdienen und die Familie vereinen muss. Sei es, weil es uns egal geworden ist, wie es meinem Nachbarn, Kollegen oder Schwächeren in unserer Gesellschaft geht.

"Hauptsache ich komme irgendwie klar". Diese Entsolidarisierung ist nicht der richtige Weg und nicht Ziel führend bei der Leistung des Widerstandes. Widerstand, was für ein Wort! Denkt man nicht gleich an wehende Fahnen und bewaffnete Menschen, die zwischen parkenden Autos durch die Städte jagen? Widerstand heißt auch, quer zu denken, kritisch zu sein, nicht alles einfach hinzunehmen.

Kaum jemand kennt Möglichkeiten, wie mit demokratischen Mitteln Interessen von Bürgern auch innerhalb einer Legislaturperiode, erreicht werden können. Sobald das Thema "Politik" angegangen wird, ziehen sich viele zurück. "Mit Politik will ich nichts zu tun haben", sind Aussagen, mit denen ich ständig umgehen muss. Jedoch liegt die Assoziation von Politik zumeist gleich mit anzugtragenden Managern, die langweilige Zahlen, Daten, Fakten veröffentlichen und uns die Welt erklären wollen, wie auch verstaubte Politiker, welche gerade jetzt ziemlich ideenlos der Finanzkrise gegenüberstehen.

Politik heißt aber auch Lösungen für die eigene Problematik im Alltagsleben zu finden.

  • Oftmals sind Existenzen durch Jobverlust bedroht
  • In der Schule werden zu wenig Lehrer eingestellt und das eigene Kind erhält nicht die Bildung, die ihm zusteht
  • Hartz-IV-Empfänger unterliegen den Repressionen und Willkür der ARGEn
  • Kulturprogramme werden aus Kostengründen reduziert oder eingestellt
  • Förderprogramme werden reduziert oder eingestellt
  • Die alltäglichen Belastungen wie Energiekosten oder Lebenshaltungskosten steigen an, werden für manche kaum noch bezahlbar
  • Lohnentwicklung ist nicht an die Kostenentwicklung angepasst
  • Tarifautonomie geht zurück, Arbeitszeit steigt
  • u.s.w.

Ein schönes Beispiel wurde von einem Teilnehmer der Diskussion genannt:

"Setzt man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser, springt er raus. Setzt man ihn jedoch in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt dieses, wird der Frosch im heißen Wasser sterben."

Ähnlich funktioniert unsere Gesellschaft. Es wird immer heißer und es passiert langsam. Aber wann beginnen wir, Konsequenzen zu ziehen und aktiv zu werden?

3. Die Rolle der Macht in der Gesellschaft

3.1. Politik:

Zu dieser Überschrift sollten wir uns Gedanken machen, wer die Macht am wirkungsvollsten ausübt. In dem Internetblog Lobbycontrol wird regelmäßig darüber berichtet, wie Lobbyisten Ministerien bei der Gestaltung von Gesetzesvorlagen beraten. Es stimmt mich sehr bedenklich, dass eine Gruppe, deren Intention die Kostenreduzierung und Gewinnmaximierung ist, Politiker beraten, welche die Interessen der BürgerInnen vertreten sollen.

Wie neutral sind unsere Politiker noch? Und vor allem: Wie kompetent? Wenn Finanzminister Herr Steinbrück Milliardenbrügschaften für Banken bereit hält, welche kein klares Konzept zur Rettung der Finanzkrise vorlegen können, muss man doch an der Kompetenz des Volksvertreters zweifeln. Dieses Prozedere verhält sich ähnlich als würde ein Hartz-IV-Empfänger bei der Bank nach einem Kredit fragen weil er ein Schloss wie Neuschwanstein bauen möchte.

Wenn ein Konjunkturpaket verabschiedet wird, welches nur kurzfristig gedacht ist und gerade noch über das Ende der Legislaturperiode rettet, muss auch hier an der Kompetenz gezweifelt werden.

20 von 27 EU-Staaten haben bereits den gesetzlichen Mindestlohn, in Deutschland haben wir ihn nicht. Die Gesellschaft verlangt nach Besserungen und die Politik lässt sich im Gegenzug von der Wirtschaft beraten.

Die Frage nach der Kompetenz von Politikern kommt nicht von ungefähr. Bei jeder Bewerbung wird nach den Erfahrungen und nach der Ausbildung gefragt. In der Politik kann, man möge mich nun entschuldigen, jeder Depp in eine verantwortungsvolle Position gewählt werden. Listenwahlen machen dies beispielsweise möglich. Und diese Menschen regieren unter Umständen 82 Mio. BürgerInnen. Dieses Unternehmen ist verdammt groß und benötigt Know How, welches mehr als 4 Jahre überdauern sollte. Die politische Weitsicht wird in Regierungsämtern nicht erkennbar gepflegt.

Gerade bei den Gelsenkirchener Geschichten wird viel über diese Stadt diskutiert. Hier wird was bemängelt, dort entstehen Ideen. Aber wer kennt sich damit aus, auf politischem und demokratischen Weg Entscheidungen für die Stadt zu forcieren?

Müssen wir nicht alle lernen, mit demokratischen Instrumenten zu arbeiten? Oftmals wird darüber diskutiert (auch im WAZ-Forum), was in Gelsenkirchen gewünscht wird, was ärgerlich ist und wie furchtbar Gelsenkirchen ist.

Gerade wenn es um das Proberaumzentrum Consol 4 geht, können wir erkennen, wie Menschen auf die Kommune einwirken könn(t)en. Viele BürgerInnen in Gelsenkirchen haben in zahlreichen Unterschriftenlisten (bisher über 750!) bewiesen, dass sie in diesem Kulturzentrum einen Veranstaltungsort sehen wollen. Die Anträge für die baulichen Veränderungen lagen, liegen und werden noch liegen (?) an einer Stelle, welche aber nicht für die entsprechende Umsetzung verantwortlich ist. Das zuständige Bauordnungsamt wartet auf eine offizielle Antragsstellung (vielleicht ist sie zwischenzeitlich auch erfolgt?), damit dem Wunsch der BürgerInnen entsprochen werden kann.

Die BürgerInnen in Gelsenkirchen wurden initiativ. Mehrere Hunderte Unterschriften wurde zusammengetragen und auch Briefe an den Oberbürgermeister wurden geschrieben. Nun werden wir sehen, wie diese Angelegenheit weiter verläuft. Aber wir BügerInnen sollten gemeinschaftlich nachhaken.

Es ist also wichtig, sich für seine Interessen und Belange stark zu machen und nicht darauf zu warten, dass andere das tun. Mal einen Brief an die Oberbürgermeister schreiben oder eine öffentliche Anfrage an den Stadtrat stellen oder eben auch den Bezirksvertreter ansprechen, kann ein Anfang sein.

3.2. Beruf:

Gerade im beruflichen Alltag erleben wir den Druck regelmäßig. ArbeitnehmerInnen, die mit dem Strom schwimmen, sind so herrlich lenkbar. Ohne Widerstand erledigen sie die Arbeiten, auch wenn die Abläufe über Jahre hinweg mit immer mehr Fehlern entwickelt wurden.

Transparenz im Unternehmen wird ungerne gesehen, dies setzt Selbstkritik voraus. Selbstkritik bedeutet, sich auch Fehler einzugestehen. Das kann nicht karrierefördernd sein. Der scheinbare Perfektionismus und die Unantastbarkeit in der Führungsebene gaukelt eine Kompetenz vor, welche wie eine Seifenblase schnell zu zerplatzen droht, werden Prozesse analysiert.

Daher haben es Kritiker und Querdenker sehr schwer, sich am Arbeitsplatz zu behaupten. Eine Karriere ist nur in den seltensten Fällen noch denkbar. Oftmals werden Ideen als Kritik gesehen und gar nicht beachtet oder runtergespielt. Wobei konstruktive Kritik am Arbeitsplatz nicht nur die Struktur und Produktivität verbessert, nein, auch die Motivation des Arbeitnehmers würde steigen. Aber da gibt es noch immer die Vorgesetzten, welche schnellstmöglich repressiv werden, damit der Arbeitnehmer schweigt.

Viel zu viele Arbeitnehmer sind unglücklich am Arbeitsplatz, werden gemobbt, nicht wertgeschätzt und unterdrückt. Wie würden Arbeitgeber (re)agieren, wenn es mehr Menschen geben würde, die sich solidarisieren und auch ihre Forderungen direkt in Verhandlung mit dem Vorgesetzten stellen?

Arbeitgeber hätten nicht mehr die Macht, wenn Mitarbeiter mehr Mut und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln könnten, um Probleme am Arbeitsplatz zu diskutieren. Der Einzelne wird seinen Job verlieren und wieder wird die Gemeinschaft erschüttert und zerbricht. Es ist wahrlich schwer, sich zu wehren. Aber wir müssen mutig sein und es lernen.

4. Lösungsansätze und der Beginn des Widerstandes

Wir haben an diesem Abend viele Themen erarbeitet und die Istzustände eruiert. Dabei haben wir einige Ideen entwickelt, die zum Teil umsetzbar aber auch Fiktion sind. Dennoch kann das zunächst noch unerreichbare mal erwähnt werden. Vielleicht entwickelt sich die eine oder andere Idee weiter.

4.1. Solidarisierung

Wie bereits erwähnt müssen wir wieder hin zur Solidarisierung. Gerade Meinungsmacher nutzen Medien dazu, um Parolen wie "Hartz-IV-Empfänger sind Sozialschmarotzer" zu platzieren. Das spaltet die Gesellschaft. Nur weil eine Behauptung oft wiederholt wird, wird sie dadurch nicht richtiger. Es gibt Gründe, wieso eine Entsolidarisierung passiert. Hier spielt die Bertelsmannstiftung und auch die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) eine Rolle.

Über dieses Thema lohnt es sich, einen weiteren Themenabend zu gestalten, damit vermehrt darüber aufgeklärt wird, wie die Manipulationsmaschiene gezielt durch Lobbyisten in unserer Gesellschaft funktioniert.

Anstatt Verständnis für Arme in unserer Gesellschaft aufzubringen, werden sie zunehmend verachtet. Vielleicht auch deshalb, weil die Angst besteht, es kann jeden Treffen. Und diese Angst ist berechtigt. Daher ist eine Solidarisierung dringend notwendig. Themenabende, Foren und auch private Kontakte sind hier von Nöten.

4.2. Transparenz in der Kommunalpolitik

Wenn wir Fragen haben oder uns was stört, ist die Kommune dazu da, für uns tätig zu werden. Wie bei dem Beispiel mit Consol4 oder auch bei der Bürgerinitiative Hans-Sachs-Haus, sind BürgerInnen initiativ geworden. Hakt nach und seid präsent. Nehmt unsere Vertreter in die Verantwortung.

Wir haben uns bei dem Diskussionsabend überlegt, ob wir nicht zu der nächsten Veranstaltung diverse Kommunalvertreter (Verwaltung, Politik) einladen, damit sie sich unseren Fragen stellen. Gerade zur Zeit des Kommunalwahlkampfes wäre es eine sehr interessante Veranstaltung, wenn unsere Vertreter konkret und auf direktem Wege angesprochen werden würden.

Darüber hinaus gibt es in Bezirken immer wieder Probleme, die angesprochen werden müssen. Beispiele wären:

- Der Elisabethplatz in der Altstadt, der leider nicht so genutzt wird, wie die Stadtplaner es sich vorstellten
- Die gesperrte Treppe am Wildenbruchplatz in Bulmke. Kinder klettern über den Zaun und riskieren dabei Verletzungen
- Das Consol 4 in Bismarck, welches zum Veranstaltungsort werden soll
- Glückaufkampfbahn in Schalke, Wie sehen die Konzepte aus?

Wie der folgende Diskussionsabend gestaltet werden kann, kann im Forum der Gelsenkirchener Geschichten erarbeitet werden.

4.3. Vereinsarbeit

Während des Diskussionsabends wurden oftmals die Vereinsarbeit angesprochen. Auch hier haben wir eine Möglichkeit initiativ zu werden. Ein Beispiel wurde wie folgt dargestellt:

Ein Diskussionspartner ist Fußballtrainer und engagiert sich in der Jugendarbeit. Der Anteil von Migranten ist sehr hoch. Äußert sich jemand in seinem Umfeld ausländerfeindlich, wird dieser zu Spielen eingeladen. Vor Ort wird demonstriert, wie gut die Zusammenarbeit mit Deutschen und Migranten funktioniert.

Bei der Vereinsarbeit kann auch die Zusammenarbeit und Solidarität weiter optimiert werden. Der Fokus liegt in der Gemeinschaft und Erfolge zeigen, dass dies funktionieren kann. Aber auch Niederlagen können gemeinsam verarbeitet werden.

Über Vereine kommen Menschen aus ihrer Gewöhnung raus. Sie lesen nicht mehr nur die Bildzeitung, schauen Tagesschau und informieren sich über RTL. Nein, sie leben in der Realität, setzen sich mit Menschen auseinander und lernen wieder konfliktfähig und fair zu sein.

Aus dieser Idee heraus ist die Schalker Fan-Initiative e.V. entstanden. Immer mehr faschistische Parolen waren im Fussball wahrzunehmen. Da wurden Fans initiativ und gründeten eine Vereinigung "Schalker gegen Rassismus". Mittlerweile hat die Schalker Fan-Initiative e.V. über 400 Mitglieder und besteht über 15 Jahre.

4.4. Initiative LKW-Fahrer

Dieses Thema gehört eher zu den fiktiven aber nicht unwahrscheinlichen. Es kam die Idee, dass LKW-Fahrer gerade im Ruhrgebiet die Autobahnen lahm legen könnten, um Ziele der Gesellschaft im Kampf durchsetzen zu können. Dieser Streik würde immense Folgen für die Wirtschaft haben, da das Ruhrgebiet eine verkehrstechnische Hauptschlagader in Europa ist.

Da laut Aussage des Diskussionspartners die Tarifausarbeitung der LKW-Branche recht gut funktioniert, wäre eine Streitmöglichkeit in dieser Richtung (noch) nicht gegeben.

4.5. Zivilcourage

Jeder kennt das Beispiel: Ein älterer Mensch betritt ein öffentliches Verkehrsmittel, sichtbar gehbehindert und niemand bietet einen Platz an. Das habe ich kürzlich erst wieder erlebt. Wir stellten uns bei der Diskussion die Frage: Wieso verhalten sich die Menschen so?

Wir schlossen dieses Verhalten darauf, dass Menschen in unserer Gesellschaft Angst haben, aufzufallen. Indem sie aktiv werden, wird eine Plattform betreten, bei der sie im Mittelpunkt stehen. Diese Positionierung obliegt nicht jedem, zumeist demjenigen, der ein starkes Selbstbewusstsein hat.

Studien haben ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, einem Menschen in Not zu helfen, geringer ist, je mehr Personen vor Ort sind. Der allgemeine Gedanke geht dahin: "Irgendwer wird schon helfen!". Die Verantwortung wird einfach anderen übertragen.

Diese Grundeinstellung beziehe ich überspitzt auf das Engagement der Gesellschaft in Bezug auf unsere soziale Schieflage. "Irgendwer wird schon was machen!" Diese wenigen Menschen, die was tun, reichen jedoch nicht aus, um grundsätzlich in unserem Land wieder eine gerechte Umverteilung von Kapital, Schaffung von Bildungsmöglichkeiten, Erhalten des kulturellen Angebotes, Reduzierung von Armut erwirken zu können.

In den letzten Jahren ist eine Vernetzung von Organisationen wie attac, Greenpeace oder auch anderen fortgeschritten. Eben diese Bündelung von Kräften ist wichtig, sich ein Know How zu erarbeiten, um mit Demokratie umgehen zu können.

5. Fazit

Rückblickend haben wir eine Veranstaltung erlebt, die sich sehr schnell auf das Wesentliche bezog. Wir haben erfahren, was die Anwesenden in ihrem kleinen Kreis tun, um ihren Teil im gesellschaftlichen Leben beitragen zu können.

Einige engagieren sich in der Jugendarbeit, in der Schülervertretung oder auch in Parteien. Andere wiederum reagieren in ihrem privaten und auch beruflichem Umfeld bei faschistischen Äußerungen mit Argumenten. Nur so können wir aufklären und Gemeinschaft schaffen.

Alleine Wahlen bringen unsere Gesellschaft nicht weiter. Wir müssen unsere Politiker in die Verantwortung nehmen, unsere Interessen zu vertreten. Wir benötigen mehr Mitbestimmungsrechte. Die Unterschriftensammlung bei Bürgerinitiativen müsste überdacht werden und auch Volksentscheide gehören mit in unsere Demokratie.

Wir alle müssen lernen, von diesen Mitteln Gebrauch zu machen und den Dialog zu den Mächtigen zu finden. Derzeit lassen wir sie machen und gut gemeint heißt nicht gut gemacht. Natürlich wird selten in unserem Interesse bestimmt, weil wir für unsere Interessen nicht mehr eintreten.

Wir benötigen wieder mehr Courage und auch Wissen, um uns behaupten zu können.

Fangen wir damit an, unsere Informationsquellen zu überdenken und kritisch zu behandeln. Fangen wir damit an, uns vom Fernseher zu lösen und auch mal mit Menschen in Kontakt zu treten. Fangen wir an, uns in Diskussionsabenden auszutauschen. Fangen wir an zu denken und zu handeln!

6. Linksammlung

Während des Diskussionsabends wurden Quellenvorschläge verteilt, die so gut wie möglich keine bestimmten Interessen vertreten. Diese Quellen dienen dazu, sich regelmäßig einen Wissensspiegel zu erarbeiten und auch zu erhalten.

www.nachdenkseiten.de

NachDenkSeiten - die kritische Website.
NachDenkSeiten sollen eine gebündelte Informationsquelle für jene Bürgerinnen und Bürger werden, die am Mainstream der öffentlichen Meinungsmacher zweifeln und gegen die gängigen Parolen Einspruch anmelden.

Besonderer Tipp:

Der "Hinweis des Tages" führt einmal quer durch die Medienlandschaft. Somit kann sich der Leser einen Eindruck über Journalismus verschaffen, der aus verschiedenen Perspektiven bzw. Interessen entsteht.

www.boeckler.de

Die Hans-Böckler-Stiftung ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB. Sie ist in allen ihren Aufgabenfeldern der Mitbestimmung als Gestaltungsprinzip einer demokratischen Gesellschaft verpflichtet. Sie wirbt für diese Idee, unterstützt Mandatsträger in Mitbestimmungsfunktionen und tritt für erweiterte Mitbestimmungsrechte ein.

Besonderer Tipp:

Gute Diagramme und dazugehörige Erklärungen.

www.lobbycontrol.de

Lobbygruppen, Denkfabriken, Kommunikationsberater und PR-Agenturen spielen eine immer größere Rolle in Politik und Öffentlichkeit. Ab und zu werfen einzelne Affären - wie um die Nebeneinkünfte von Abgeordneten - Schlaglichter auf die Grauzonen politischer Einflussnahme. Aber es gibt zu wenig kontinuierliche und systematische Aufklärung. LobbyControl will hier Abhilfe schaffen.

www.sozialpolitik-aktuell.de

Sozialpolitik-Aktuell liefert umfassende und aktuelle Informationen über alle Themen der Sozialpolitik: Sozialstaat und Sozialpolitik, Einkommensverteilung, Armut, Soziale Sicherung, Sozialversicherung, Sozialhilfe, Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Arbeitsförderung, Arbeitsbedingungen, Arbeit und Gesundheit, Gesundheitssystem, Krankenversicherung, Pflege, Familie und Familienpolitik, Alter, Alterssicherung, Rentenversicherung, Soziale Dienste und Sozialwesen, Ökonomische Rahmenbedingungen, Finanzierung.

www.bpb.de

Die Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger dabei, sich mit Politik zu befassen. Ihre Aufgabe ist es, Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken. So steht es im Erlass des Bundesministeriums des Innern. Und so wird es Tag für Tag in Bonn und Berlin in die Praxis umgesetzt. Gemeinsam mit einem bundesweiten Netzwerk aus Landeszentralen, Bildungseinrichtungen und -trägern engagiert sich die bpb für politische Bildung und Kultur - unabhängig und überparteilich.

Sonst noch:

www.bka.de (Statistiken zur Argumentationshilfe gegen Faschismus)
www.gelsenkirchen.de (Informationen und Zahlen in Bildung, Familie, Haushalt, etc.)
www.initiative-links.com (Linksammlung zur Medienmanipulation bzw. INSM)

Sandra Stoffers, Initiative-Links
via Sandras Blog

Diesen Artikel kommentieren

Kommentar schreiben

Sie müssen in Ihrem Browser Bilder aktiviert haben, um den Code zu sehen.

Hinweis: Felder mit einem (*) müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail-Adresse wird weder angezeigt noch für Werbezwecke oder ähnliches verwendet. HTML ist nicht erlaubt.

–  Artikel 1 / 14  –